Handball-Ligen in Deutschland: wie das Ligasystem aufgebaut ist
Der deutsche Handball ist als Pyramide organisiert: oben zwei bundesweite Profiligen, unten mehrere tausend Mannschaften in Kreisklassen. Dazwischen liegen die Ebenen, die von den Landesverbänden verantwortet werden – und dort spielt die überwiegende Mehrheit der Vereine aus diesem Verzeichnis.
Für die Vereinssuche ist vor allem eines relevant: Die Spielklasse sagt wenig darüber aus, ob ein Verein zum Einsteiger passt. Auch ein Verein mit einer Mannschaft in der Verbandsliga führt in aller Regel Freizeit- und Jugendmannschaften, und in vielen kleineren Vereinen ist das Training für Anfänger besser organisiert als bei größeren.
1. und 2. Bundesliga
Handball-Bundesliga GmbH bzw. HBF, unter dem Dach des DHB
Vollprofi- und Halbprofibetrieb mit je 18 bis 20 Mannschaften. Für Vereine im Breitensport ohne unmittelbare Bedeutung, aber die Ebene, über die der Sport öffentlich wahrgenommen wird.
3. Liga
Deutscher Handballbund
Der Übergang zwischen bundesweitem und regionalem Spielbetrieb, in Staffeln nach geografischer Lage eingeteilt.
Oberliga
Mehrere Landesverbände gemeinsam
Höchste Ebene unterhalb des DHB, häufig als Zusammenschluss benachbarter Verbände organisiert. Für ambitionierte Amateurvereine die realistische Obergrenze.
Verbands- und Landesliga
Der jeweilige Landesverband
Der Kern des Amateurhandballs. Hier spielen die meisten Vereine, die überregional bekannt sind, ohne dass Spieler davon leben.
Bezirks- und Kreisliga, Kreisklasse
Bezirke und Kreise des Landesverbands
Die breiteste Ebene und die, um die es in einem Vereinsverzeichnis meistens geht. Kurze Wege, Heimspiele in der Sporthalle des Orts, Mannschaften, die aus dem eigenen Nachwuchs kommen.
Wie die Staffeln geschnitten werden
Ab der Oberliga abwärts werden Ligen nicht bundesweit, sondern geografisch eingeteilt. Die Verbände schneiden die Staffeln so, dass die Fahrtwege vertretbar bleiben – was dazu führt, dass zwei gleich starke Mannschaften je nach Wohnort in unterschiedlichen Staffeln derselben Ebene spielen und sich nie begegnen.
Für Vereine ist das ein realer Planungsfaktor: Ein Aufstieg kann bedeuten, dass sich die durchschnittliche Anfahrt zu Auswärtsspielen verdoppelt. Gerade im Jugendbereich ist das einer der häufigsten Gründe, freiwillig auf einen Aufstieg zu verzichten.
Damen und Herren, Jugend und Senioren
Das beschriebene System gilt für Männer und Frauen parallel, mit eigenen Ligen und eigenen Staffeleinteilungen. Die Frauen-Bundesliga wird seit 1975 ausgetragen, der Unterbau entspricht in Aufbau und Zuständigkeit dem der Männer.
Im Jugendbereich ist die Staffelung flacher und regionaler: unterhalb der Jugend-Bundesligen für die A- und B-Jugend organisieren die Landesverbände Ober-, Landes- und Bezirksligen, wobei kleinere Altersklassen häufig gar keine Tabelle führen, sondern in Spielrunden ohne Auf- und Abstieg spielen. Bei den Senioren gibt es je nach Verband eigene Altersklassen ab 30 oder 40 Jahren, meist im Turnier- statt im Ligaformat.
Auf- und Abstieg
Zwischen allen Ebenen wird auf- und abgestiegen, die genauen Regelungen legt aber die jeweils übergeordnete Instanz fest – beim Übergang von der Verbandsliga in die Oberliga also die beteiligten Landesverbände, nicht der Deutsche Handballbund. Relegationsrunden, Aufstiegsspiele und die Zahl der Absteiger können sich von Saison zu Saison unterscheiden; verbindlich sind die Durchführungsbestimmungen des Landesverbands.
Spielpläne und Tabellen des Landes- und Bezirksspielbetriebs laufen über das gemeinsame Portal handball.net; die Bundesligen und die Nationalmannschaften verantwortet der Deutsche Handballbund. Ein Vereinsverzeichnis wie dieses bildet weder das eine noch das andere ab – es beantwortet die vorgelagerte Frage, welcher Verein überhaupt vor Ort spielt.
Wie die Bundesliga heißt und was über ihr liegt
Die erste Liga der Männer wird seit 1966 gespielt und trägt den Namen ihres Hauptsponsors: als Liqui Moly Handball-Bundesliga, nach der Liqui Moly GmbH aus Ulm. Organisiert wird sie von der Handball-Bundesliga GmbH, ausführender Verband ist der Deutsche Handballbund. Die Bundesliga der Frauen, kurz HBF, läuft seit 1975 und wird vom DHB selbst durchgeführt; ihren Unterbau, die zweite Liga, gibt es seit 1985. Bei den Männern kam die zweite Liga 1981 dazu.
Über dem Vereinsspielbetrieb steht der Nationalmannschaftsbereich: Europameisterschaft, Weltmeisterschaft und die olympischen Turniere. Sie laufen in eigenen Zyklen und berühren den Ligabetrieb vor allem dort, wo Länderspielfenster den Spielplan unterbrechen. Für einen Verein in der Kreisklasse ist das eine andere Welt; für die Zahl der Kinder, die im Januar nach einer Weltmeisterschaft in der Halle stehen, ist es die wichtigste.
Deutsche Meister der Handball-Bundesliga
Wer die Bundesliga gewonnen hat, ist die eine Frage zum Ligasystem, die sich nicht mit jeder Saison neu stellt. Die folgenden Zahlen führen die Titel seit Einführung der Meisterschaft bis einschließlich der Saison 2021/22.
Männer
Frauen
Die Mehrzahl der 2.642 Vereine in diesem Verzeichnis hat nie um einen Bundesliga-Titel gespielt und wird es auch nicht tun. Das ist kein Mangel: Die Liga, in der ein Verein antritt, sagt nichts darüber, ob er den passenden Jahrgang besetzt und eine Halle in der Nähe hat, und das sind die beiden Fragen, an denen eine Vereinssuche tatsächlich hängt.
Häufige Fragen
Wie viele Ligaebenen gibt es im deutschen Handball?
Von der 1. Bundesliga bis zur Kreisklasse sind es je nach Landesverband sechs bis neun Ebenen. Die genaue Zahl unterscheidet sich, weil Bezirks- und Kreisebene nicht überall gleich tief gestaffelt sind.
In welcher Liga spielen die meisten Vereine?
In den Kreis- und Bezirksklassen. Der überwiegende Teil der rund 2.700 Vereine dieses Verzeichnisses meldet Mannschaften unterhalb der Landesliga; überregionaler Spielbetrieb ist die Ausnahme.
Sagt die Spielklasse etwas über die Eignung für Einsteiger?
Wenig. Auch Vereine mit einer höherklassigen ersten Mannschaft führen Freizeit- und Jugendgruppen, und in kleineren Vereinen ist das Anfängertraining oft besser organisiert, weil es dort mehr Aufmerksamkeit bekommt.
Wer regelt Auf- und Abstieg?
Die jeweils übergeordnete Instanz: für den Übergang von der Verbandsliga in die Oberliga also die beteiligten Landesverbände, nicht der Deutsche Handballbund. Die Modalitäten stehen in den Durchführungsbestimmungen und können sich je Saison ändern.